ND-Filter Skript

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Stell dir vor, du bist im Urlaub und hast eine coole Location gefunden und möchtest ein Foto davon machen. Machen wir es konkreter: Du bist in Island und stehst mitten im Nirgendwo. Vor dir findest du ein altes Flugzeugwrack. Es ist 15 Uhr mittags und weil das Flugzeug kein Geheimtipp mehr ist, stehen vor Ort sehr viele Leute, die alle das gleiche Ziel haben: Das Flugzeug sehen, fotografieren, Selfies machen, auf dem Flugzeug rumlaufen. Das, was Touristen üblicherweise machen.

Du kannst jetzt auch ein Foto davon machen, allerdings läuft immer irgendwo ein Mensch durch das Bild. Egal, wie lange du wartest, keine Chance – ein Vollhorst stört immer. Das Foto wird im Endeffekt (machen wir uns nichts vor) maximal nur okay und niemanden so richtig vom Hocker reißen.

Was kannst du tun?

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Schnapp dir deine ND-Filter! Kurze Erklärung zum Filter: Ein ND-Filter ist eine Art dunkle Scheibe, die du vor dem Objektiv anbringen kannst. Daher wird er auch Graufilter genannt. Es gibt unterschiedliche Filterstärken und verschiedene Systeme zur Befestigung (Schraubfilter und Steckfilter). Wenn du einen 8-fachen (8x) ND-Filter hast, kannst du die achtfache Verschlusszeit nutzen. Du verlängerst also je nach Filterstärke die Belichtungszeit. Das hat viele Vorteile, die hier noch häufiger thematisiert werden. In diesem konkreten Fall können wir völlig easy diese ganzen nervigen Touris „ausblenden“.

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Ich habe in dem Fall zwei ND-Filter übereinander geschraubt und ca. 5 Minuten belichten.

Die Anleitung hierzu sieht wie folgt aus:

„Touris ausblenden in fünf Schritten“

1.
Manuellen Modus M einstellen
2.
Bildkomposition einrichten, manuellen Fokus wählen, fokussieren auf das gewünschte Objekt
3.
Blende und Zeit so einstellen, dass du deinen gewünschten Schärfebereich hast und die Lichtwaage stimmt, ISO kann auf 100 bleiben

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4.
ND-Filter aufschrauben und nachrechnen, wie lange die Belichtungszeit sich verlängern lässt
5.
Auslösen (mit 2 Sekunden Selbstauslöser oder via Fernauslöser oder Smartphone)

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Und bei den Ergebnissen sieht man: Keine Touristen stören im Bild! Je nachdem wie lange einige Touristen vor Ort stehengeblieben sind, können Schatten entstehen. Das hängt von der Belichtungszeit ab. Zur Not sollte man die Zeit verlängern und einen stärkeren Filter nutzen. In diesem Bild hätte ich besser eine längere Zeit gewählt.

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UND NUN: Häufige Fragen zum Thema „ND-Filter“:

1. Kann man ND-Filter übereinander schrauben und auch zusammen mit einem Polfilter nutzen? Ja, das geht! Das bietet sich sogar oft an, um die Belichtung noch weiter zu vergrößern. Es gibt Tabellen und Apps zum Ausrechnen der Belichtungszeit.

Es ist sinnvoll, erst den Polfilter aufzuschrauben, damit du die Komposition einstellen kannst und die Fokussierung stimmt. Dann drehst du den Polfilter bis die Spiegelung verschwindet. Anschließend kannst du vorsichtig den ND-Filter aufschrauben, ohne die Einstellung des Polfilters zu verändern. Auf diese Weise kann man beispielsweise bei einem Bachlauf „fließendes“ Wasser erzeugen und gleichzeitig durch den Polfilter unter die Wasseroberfläche sehen.

Bei günstigeren ND-Filtern können Farbstiche auftauchen. Das kann unter Umständen passieren, wenn mehrere Filter übereinander geschraubt werden.

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Hier sieht man, dass das Wasser durch den Einsatz des ND-Filters „glatt“ dargestellt wird. Durch den Polfilter wird gleichzeitig die Spiegelung der Wasseroberfläche deutlich reduziert.

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2. Welchen ND-Filter soll ich mir zulegen?

Das hängt ganz davon ab, was du fotografieren möchtest. Es bietet sich für den Anfang an, sich mit einem schwachen, einem mittleren und einem starken ND-Filter zu bewaffnen.

Bei strahlendem Sonnenschein greife ich häufig direkt auf den 1000 x ND-Filter zurück (Stark). Wenn die Sonne allmählich untergeht, reicht ein 64 x ND-Filter (Mittel). Bei wenig Licht reicht auch der 8 x ND-Filter (Schwach).

Ein 8xND-Filter kann ebenso gut für Portraits genutzt werden bei einer offenen Blende. Es hängt also immer davon ab, was du fotografieren möchtest. Eine kleine Auswahl von schwach bis stark kann daher nicht schaden.

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3. Kann ich ND-Filter an jeder Kamera nutzen?

Das hängt vom Objektiv ab. Das Objektiv sollte in den meisten Fällen ein Schraubgewinde an der Vorderseite haben. Einige Objektive, häufig im Ultraweitwinkel-Bereich, haben kein Schraubgewinde, sondern eine fest verbaute Sonnenblende. In dem Fall benötigt man ein Stecksystem. Bei einem Schraubgewinde ist an der Vorderseite der Durchmesser angegeben. Der passende ND-Filter sollte dem Durchmesser entsprechen. Er darf allerdings auch etwas größer sein und kann mit Adapter-Ringen / „Step-Up-Ringen“ ebenso genutzt werden. In diesem Fall könnte man einen ND-Filter auch für mehrere Objektive mit unterschiedlichen Durchmessern nutzen. Allerdings sollte man nicht zu viele Step-Up-Ringe aufeinanderschrauben. Insbesondere im Weitwinkel-Bereich können durch den entstandenen Versatz der Step-Up-Ringe am Rand Abdunklungen oder Abschattungen entstehen.

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Je nach Hersteller können die ND-Filter mit Deckeln praktisch zusammengeschraubt werden. Wenn man passend dazu noch den Polfilter im gleichen Durchmesser hat, lässt sich dieser auch dazuschrauben. Auf diese Weise sind alle Filter gut geschützt und schnell griffbereit.

Also: ND-Filter können vielseitig genutzt werden und sind daher ein wichtiges Hilfsmittel für bessere Fotos!

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Wenn du dir ND-Filter neu zugelegt hast, kannst du einfach sämtliche Situationen austesten und dich an die neuen Möglichkeiten herantasten. Und am besten blendest du zunächst sämtliche Touristen aus!

Alter, du sitzt da schon fünf Minuten! Kannst du vielleicht mal deinen Arsch bewegen?!