Blende-Skript

Zurück zum Comic: Blende

Seite 1

„Ich hab ein 85er 1,4!“

„Ich hab auch ein 85er!“

„Jo, aber dein 85er ist ja nur ein 2,8er … “

„Ach deine 1,4 helfen dir aber auch nicht. Mal ganz ehrlich, bei Offenblende kann man bei DER Linse aber vergeblich die Schärfe suchen!“

„Hey Leute! Kann ich mich dazu stellen? Ich hab mir die neue M10 mit dem Noctilux gekauft. Das ist ein 50er mit … “

„SCHNAUZE!“

Seite 2

Panel 1

„Was war denn da gerade los? Entschuldige bitte diese Rüpel. Die beiden hatten sich wohl in einer hoch-religiösen Diskussion verirrt.“

„Allein dieser Name: NOC-TI-LUX“

Panel 2

„Die Jungs sprachen gerade über die Lichtstärke ihrer Objektive, welche u. a. durch die Blende bestimmt wird.“

Panel 3

„Da haben wir das hübsche Ding!“

Panel 4

„Die Blende findest du in jedem deiner Objektive. Sie ist neben „ISO“ und „Belichtungszeit“ eine der drei Haupteinstellungsgrößen, über die du das resultierende Foto beeinflussen kannst.“

Seite 3

„Ich möchte jetzt nicht zu mathematisch werden, aber: Die Lichtstärke ist der Quotient aus maximal möglichem Durchmesser der Eintrittspupille (Öffnungsweite) und der Brennweite eines Objektivs.“

Seite 4

Panel 1

„Och nöö! Quotient? Mathe? Muss das sein? Ich check das eh nicht.“

Panel 2

„Ich hoffe, du hast deine „Mimimi“-Tabletten für heute schon genommen …“

Panel 3

„Dieter?“

Panel 4

„Ich höre erst wieder zu, wenn dieser ganze Mathekram besprochen wurde. Weichei. An dieser Stelle ein Hinweis: Nachfolgende Seiten können Spuren von Mathe enthalten. Wer darauf allergisch reagiert, soll nicht rumheulen.“

Seite 5

Panel 1

„Der Blendendurchmesser beschreibt die Größe der Blendenöffnung und hat damit Einfluss auf die hindurchgehende Lichtmenge. Es ist im Regelfall eine aus dünnen Lamellen bestehende Irisblende, welche die Öffnung größer oder kleiner werden lässt.“

Panel 2

„Der Durchmesser der Blende geteilt durch die Brennweite verhält sich wie die Zahl 1 zur Blendenzahl. Wird also die Blende 8 eingestellt, so hat die Blende einen Durchmesser, der 1/8 der Brennweite entspricht.“

Panel 3

„Je größer die Öffnung ist, desto höher ist auch die Lichtstärke des Objektivs. Neben der Brennweite wird diese als Standardgröße angegeben, beispielsweise F/2,8 oder 1/2,8. Die Schreibweisen sind je nach Hersteller unterschiedlich, wobei die Brennweite entweder mit 1 gleichgesetzt wird oder mit F (focal lenght = Brennweite) dargestellt wird.“

Panel 4

„Prinzipiell könnten die Hersteller die einstellbaren Blendenstufen beliebig vorgeben. Zur Vereinfachung wurde eine internationale Blendenreihe bestimmt. Demzufolge ist die Öffnung bei Blende 1 so groß wie die Brennweite. Jede weitere Stufe entspricht einer Halbierung der Lichtmenge, die das Objektiv durchlässt.“

Seite 6

„Krasse Grafik zu den Blendenstufen … Ernsthaft? Können wir das nicht NOCH unübersichtlicher darstellen?!“

Seite 7

Panel 1

„Die normierte Blendenreihe baut sich mit Stufen der Quadratwurzel von 2 (√2 ≈ 1,4) auf. Zwei Stufen entsprechen wiederum dem Quadrat von 1,4 – also ≈ 2. Beispiel: Der Sprung von Blende 8 auf 11 entspricht einer Stufe (8 x √2 = 11), ein Sprung von Blende 4 auf 8 zwei Stufen (4 x 2 = 8).“

Panel 2

„Mit jeder Blendenstufe halbiert sich die Fläche der Öffnung.“

Panel 3

„Folglich können wir festhalten: Kleine Blendenzahl = große Blendenöffnung (offene Blende) Große Blendenzahl = kleine Blendenöffnung (geschlossene Blende) Hast du das mitbekommen, Dieter? Ja! Ich höre wieder zu!“

Panel 4

„Die Blende ist schon irgendwie faszinierend. Wie eine Art Türsteher bestimmt sie, wie viel Licht in das Objektiv kommen darf. Und wenn man sie genauer betrachtet, stellt sich doch die Frage … Du kommst hier nicht rein!“

Seite 8

Panel 1

„Welche Auswirkungen hat die Blende auf das Foto? Hierzu habe ich ein paar Testbilder gemacht. Du siehst hier meine Kamera (Sony A7 + 50er 1,8 Objektiv) auf dem Boden liegend. Vor der Linse habe ich ein Messband ausgelegt. Jetzt teste ich einfach im manuellen Modus die Wirkung verschiedener Blendstufen aus. Auf dem Maßband habe ich die „40“ mit einem Post-It beklebt.“

Panel 2

Panel 3

„Blende 1,8 (+ ISO 100, 1,6“) – Nur hier ist es scharf! Der Fokuspunkt liegt genau hier bei „40“ und alles im Vorder- und Hintergrund ist mega verschwommen.“

Panel 4

„Blende 8 ( + ISO 100, 25″) – Aha, der scharfe Bereich wird etwas größer. Hier bin ich ziemlich unscharf!“

Seite 9

Panel 1

„Blende 22 (+ ISO 500, 30“) – Wow, ob ich jetzt hier stehe oder hier stehe … ich bin fast überall ziemlich scharf!“

Panel 2

„Nehme ich eine große Blendenöffnung (also kleine Blendenzahl, zum Beispiel F1,8) dann habe ich wenig dieser sogenannten Schärfentiefe. Umgekehrt habe ich viel Schärfentiefe, wenn die Öffnung der Blende recht klein ist (d. h. große Blendenzahl, beispielsweise F22).“

Panel 3

„Schärfentiefe? Tiefenschärfe? Schiefentärfe?“

„Schärfentiefe“

Panel 4

„Der Begriff beschreibt den Raum, in dem ein Objekt scharf abgebildet wird. Du hast ja innerhalb eines Fotos Bereiche die scharf abgebildet sind und einige Objekte sind unscharf. Schärfentiefe ist ein wichtiger Punkt. So wichtig, dass wir speziell dazu noch einen Comic zeichnen werden.“

Seite 10

Panel 1

„Okay! Aber warum sind jetzt Objektive mit hoher Lichtstärke so beliebt?“

„Objektive mit einer hohen Lichtstärke haben tatsächlich einige Vorteile. Es hängt allerdings auch vom Anwendungsbereich ab.“

Panel 2

„Du kannst beispielsweise mit einem lichtstarken Objektiv und großer Blendenöffnung das Subjekt im Foto sehr gut isolieren/freistellen, wie wir eben gesehen haben. Wir kommen dazu auch noch ausführlicher, wenn es um Portraitfotografie geht. Der Effekt macht sich dadurch bemerkbar, dass die Person im Bild scharf abgebildet wird und der Hintergrund schön unscharf/verschwommen ist.“

Panel 3

„Außerdem kann bei der Astrofotografie mit einem lichtstarken Objektiv mehr Licht der Sterne eingefangen werden.“

Panel 4

„Anders ist es bei der Landschaftsfotografie. Im Regelfall möchte man hier möglichst viel Schärfe von „vorne bis hinten“ erreichen. Eine offene Blende spielt bei Landschaften also grundsätzlich keine so große Rolle.“

Seite 11

„Mit der Blendenöffnung wird die einfallende Lichtmenge reguliert, ähnlich wie bei der Iris im Auge – so viel ist klar. Eine kleine Blendenöffnung erfordert daher auch eine längere Belichtungszeit. Teste es aus und stelle deine Kamera auf A oder AV (Aperture Value, auch: Blendenvorwahl oder Verschlusszeitautomatik). Hier passt die Kamera alle Einstellungen bis auf die Blende selbstständig an. Und achte einfach mal auf die Schärfe/Unschärfe von Motiv und Hintergrund. Bei längeren Belichtungszeiten nutzt du am besten ein Stativ, damit es keine Verwacklungen gibt.“

Zurück zum Comic: Blende

 

Quellennachweis: